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Länger leben, gesünder leben: Für nur 40.000 Dollar im Monat wird der Körper geoptimized.

Longevity

Oder einfach acht Flaschen Champagner

Ein Luxusfitnessstudio verspricht für 40.000 Dollar jährlich "den Gipfel menschlichen Potenzials". Schön, aber Beyoncé sollte dafür schon vorbeikommen.

9. Mai 2024

Gipfel gibt es bekanntlich viele. Und verschiedene Wege, wie man da heraufkommt. Meistens hilft Geld. Eine Besteigung des Mount Everest liegt, je nachdem, wen man fragt, bei 20.000 oder 30.000 Dollar, auf den K2 kommt man laut Google bereits mit der Hälfte, während andere, zum Beispiel der Gipfel der Frechheit, weiterhin kostenlos zu erreichen sind, das ist in Zeiten der Inflation eine gute Nachricht, wobei der Ausblick von dort selten schön ist.

Wie es auf dem "Gipfel des menschlichen Potenzials" aussieht, darüber kann man bislang nur spekulieren. Allerdings ist nun immerhin bekannt, wie viel die Besteigung kostet: 40.000 Dollar im Jahr, und die Sherpas, die einen dorthin führen, arbeiten in den US-amerikanischen Luxusfitnessstudios einer Kette namens Equinox, dessen Versprechen lautet: ein langlebigerer, sportlicher Körper, gestählte Muskeln, nie wieder schmerzende Gelenke, und auch ciaoie Bandscheibenvorfall.

Wer für dieses Programm freiwillig so viel blechen will, zählt dort künftig zu den "Optimizern" und die bekommen, anders als die lebensmüderen Normalomitglieder, regelmäßige Bluttests und einen sogenannten Smartring, der Schlaf, Herzfrequenz, Aktivität, nächtlichen Blutsauerstoff und Stress aufzeichnet, also eine komplette, fürsorgliche Überwachung, die zu jedem Outfit passt. Dreimal die Woche sehen ein Personalcoach und ein Ernährungsberater noch mal persönlich nach, und auch ein "Schlaftrainer" kontrolliert hin und wieder, wobei nicht herauszufinden ist, ob dieser Beruf bedeutet, dass man sich gut mit REM-Phasen auskennt oder man einfach nur sehr langweilig ist.

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Trotz der üppigen Belagerung: Es beschleicht einen, nicht nur aus Knauserigkeit, das Gefühl, eine Fitstar-Basic-Mitgliedschaft, ein paar High-Protein-Rezepte von Instagram und Melatonin-Gummibärchen würden zu einem ähnlichen Ergebnis führen. Für 40.000 Dollar bekäme man schließlich auch jedes Jahr einen neuen Golf in der Autobahnedition. Man könnte eine Jahrespatenschaft für 266,66 vom Aussterben bedrohter Meeresschildkröten übernehmen und ihnen großzügig das Überleben sichern.

Oder sich mit acht Flaschen Dom Pérignon jede Woche richtig rausballern und doch jung bis mittelalt sterben. Mit 40.000 Dollar ist Equinox dabei nicht mal die Spitze, in Manhattan eröffnet ein "Wellness Social Club", Mitgliedschaft für schlappe 120.000 Dollar jährlich.

Fitnessbuden mit so einem, sagen wir, interessanten Preis-Leistungs-Verhältnis müssten schon mehr bieten: Beinpressen aus Mahagoni und Gold, exakt auf Körpertemperatur erwärmt. Ein Bauchnabelpiercing aus einem höchstkarätigen Diamanten überwacht Blutdruck, Herzschlag sowie Wachstum von Haar und Zehennägel. In den Duschen gibt es Duschköpfe mit mindestens 18 Funktionen, Regenduscheinstellungen von Tropenregen und romantischer Sommerregen, über Nieselregen bis Ich-steige-gerade-aus-dem-Bus-auch-das-noch-Regen, mit sauerstoff- und kollagenangereichertem Wasser für die Hautgesundheit, das außerdem das Zellwachstum anregt. Danach Ganzkörperfön, fertig in 3,3 Sekunden, und in der Lounge, die man weltrekordtrocken betritt, singt am ersten Montag oder am dritten Mittwoch Taylor Swift oder Beyoncé. An der Wellnesslounge im Außenbereich reicht Kim Kardashian persönlich einen von ihr zubereiteten Proteinshake zur Begrüßung. Und natürlich wäre in 40.000 Dollar die richtige Ernährung inbegriffen. Intravenöse Infusionen, mit denen man sich das ganze Alphabet an Vitaminen in die Vene schießt? Da geht noch mehr. Hier trinkt man Blut, frisch aus der Vene. Make Vampires real again. Der wahre Gipfel des menschlichen Potenzials liegt jenseits des Menschseins. Und man wird ja wohl noch träumen dürfen.

zeit.de Red. C-S

Montage: ZEIT ONLINE; Scott Webb/​ unsplash.com, Viaframe/​Getty Images